Die Geschichte vom traurigen Zwerg. Mit Triefnase. Also der Zwerg, nicht die Geschichte…

Juli 12, 2011 § 6 Kommentare

Irgendwie habe ich eine Glückssträhne momentan. Nicht nur habe ich wieder mal etwas Wunderbares gewonnen (Danke, liebe Mano, ich freu mich auf die Post!), sondern auch noch von einem freundlichen Menschen ein fantastisches Geschenk bekommen – oder so ähnlich.

Neulich war ich mit meiner Mama in einer Second-Hand-Bücherstube, die in unserem kleinen Ort jeden Donnerstag offen hat. Wenn ich dann donnerstags mal da sein sollte, nutze ich gleich die Gelegenheit und verschwinde für ein halbes oder Stündchen dorthin. Bei Büchern bin ich ja manisch. Liegt offenbar im Blut, das Haus meiner Eltern im kleinen Heidedorf ist voll von alten und neuen Büchern. Finde ich sehr gemütlich.

Zurück in die Bücherstube: Meine Mama und ich stöberten und kamen mit der Dame ins Gespräch, die dort immer die Bücher verkauft, klassische Musik hört, Bücher bei Amazon einstellt und natürlich immer für ein Schwätzchen zu haben ist. Sie merkte schnell, dass ich schön gemachte, alte Bücher mag, und dass ich noch Frakturschrift lesen kann (ich wünschte, auch Sütterlin, aber da sehe ich nur Schleifen und Schnörkel). Dass ich „Leberecht Hühnchen“ von Heinrich Seidel und „Der kleine Grenzverkehr“ von Erich Kästner sowie ein Gedichtbändchen von Rilke in schönen Ausgaben auf meinen Stapel legte, erfreute sichtlich ihr Herz.

Irgendwann schob sie mir dann ein Buch hin: „Schauen Sie sich doch mal das an, wäre das nicht was für Sie?“ Ich schaute, selbstverständlich. Und sah: Ein altes, sehr abgegriffenes Kinderbuch mit der Abbildung eines traurigen, langnasigen Zwerges auf dem Titelbild. Offenbar schon recht alt. Innen hielt es wunderbare, aber sehr unheimliche, teilweise düstere Illustrationen für mich bereit. Die Frau sagte: „Vielleicht kennen Sie den Illustrator: Er war für Jahrzehnte der beliebteste Kinderbuchillustrator Deutschlands. Sein Name ist Ernst Kutzer.“ Ich kannte den Namen nicht, erkannte aber den Zeichnungsstil wieder. Unentschlossen blätterte ich etwas. Die Bilder waren mir zu düster, aber auch wunderschön.

Um es kurz zu machen: Ich habe es mitgenommen. Mitsamt den sechs anderen Büchern, die ich ausgesucht hatte. Die Dame freute sich so über meine Auswahl, dass sie mir partout nicht mehr als 10 Euro für alle sieben Bücher abnehmen wollte. Abends zeigte ich diese Merkwürdigkeit in Ruhe meinen Eltern und unseren bosnischen Freunden, die zu Besuch waren. Wir freuten uns über die Verse und die schlichte Moral der Geschichte – man kann es auch „Drohen mit zauberisch-schlimmen Konsequenzen, wenn Du nicht brav bist, Kindchen!“ nennen. Wer möchte schon in einen Zwerg mit langer Triefnase verwandelt werden? Da wir nicht rausfinden konnten, wie alt das Buch war, habe ich spätabends noch im Internet nachgeschaut. Und konnte meinen Augen nicht trauen. Die Dame in der Bücherstube hat mir eine absolute Kinderbuchrarität quasi geschenkt. „Der Puppenzwerg“ wird für Höchstpreise gehandelt. Wenn man das Buch denn überhaupt findet. In meiner Ausgabe sind zwar einige der Innenblätter lose, und eins ist angerissen, es ist aber dennoch wertvoll. Nicht, dass ich vorhätte, es zu verkaufen. Kinderbücher liebe ich nämlich sehr. Und diese Geschichte ist doch noch viel wertvoller als das Buch an sich…

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§ 6 Antworten auf Die Geschichte vom traurigen Zwerg. Mit Triefnase. Also der Zwerg, nicht die Geschichte…

  • Sindy sagt:

    So eine schöne Geschichte, wie Du zu dem Buch gekommen bist! Das würde ich auch nicht mehr hergeben!

    Ich freu mich für Dich 🙂

    Liebe Grüße, Sindy

  • Wuaaah, der sieht ja gruselig aus. Ich hatte vor solchen Zwergen schon als Kind Angst 😉
    Aber schön ist es trotzdem. Ich liebe so alte Bücher…
    Grüße von Subs

  • Roboti sagt:

    Bei Büchern bin ich auch manisch und Frakturschrift kann ich ebenfalls lesen. Wir sind quasi Schwestern 😉

  • mano sagt:

    eine liebenswerte geschichte. deine meine ich, vom zwergenfund und wunderschönen alten büchern!
    ich bin auch so ein fan und komme an keinem antiquariat vorbei. frakturschrift kann ich auch lesen und auch noch ein bisschen sütterlin, wenns deutlich geschrieben wurde. deshalb kauf ich auch gerne alte postkarten…
    post ist schon unterwegs! lg von mano

  • goingweird sagt:

    Wow!
    Fraktur lesen kann ich auch (natürlich, ich hab ein ähnliches „Bücherproblem“ wie Du). Und Sütterlin kann ich noch ein bisschen lesen und konnte ich mal ganz gut schreiben. Als halbstarke habe ich das mit einer Freundin als „Geheimschrift“ benutzt. Schau mal hier. Einfach mal ein bisschen Schreiben üben, ist einfacher, als man denkt!
    Grüße
    Nike

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Du liest momentan Die Geschichte vom traurigen Zwerg. Mit Triefnase. Also der Zwerg, nicht die Geschichte… auf Kompromisslos toll..

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